FAQ - Kurbelwelle einbauen

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    • FAQ - Kurbelwelle einbauen

      Vorwort

      Hier mal ein FAQ bzw How-To zum Einbauen einer Kurbelwelle.


      Wenn man ein paar wichtige Dinge beachtet und nicht gerade zwei linke Hände hat, sollte man sich einen Kurbelwellenwechsel zutrauen, viele Händler verlangen leider viel, viel Geld (400€ und aufwärts) für den Einbau einer neuen Kurbelwelle. Wenn man sich die Zeit nimmt und auf günstige Produkte zurückgreift, kann man sich einen Haufen Geld sparen und zugleich sein Wissen als Schrauber/Tuner deutlich erweitern :)

      Die ganzen Bilder wurden an einem geflowten (also strömungsgünstiger gefräst) und gespindeltem (also aufgefräst, damit die größere Kurbelwelle und der breitere Zylinderfuß passen) liegendem Minarelli-Block gemacht. Ändert aber nichts an der Vorgehensweise, es lässt sich also genau so auf einem originalen Peugeot-Block anwenden ;) Bei Unterschieden werde ich darauf hinweisen.



      Die Vorarbeit
      Dazu habe ich leider keine Bilder, sollte ich bei meinem Jetty mal wieder den Block aushängen/zerlegen, werde ich auf jeden Fall welche machen. Wenn sich von euch jemand dazu bereit erklärt, wäre das natürlich super!! ;)

      Als allererstes müsst ihr euren Block aushängen. Dazu alle Schläuche (Unterdruck, Benzin, Öl, 2* Kühlwasser) abstecken, den Stecker (oder sinds 2? bin mir nicht sicher) zwischen Zündung und Kabelbaum abstecken, den Choke vom Vergaser abstecken, den Zündkerzenstecker und Temperaturmesser vom Zylinder entfernen, ggf den Schlauch vom Ori-Pott abmachen und die Hinterradbremse demontieren.
      Getriebeöl ablassen ist kein Muss, aber empfehlenswert, da es ausrinnt wenn ihr den Block nachher quer legt. Ein FAQ zum Getriebeöl-Wechsel gibts bereits. In diesem Zug am besten gleich Getriebeöl erneuern;)

      Dann die Muttern lösen, bolzen rausklopfen und den Block aushängen.

      Euren Jetty könnt ich derweil auf eine Kiste oder ähnlichen Stellen. Ich hab ihn mal mittels Spanngurten aufgehängt, das vereinfacht den späteren Einbau wieder
      Beim Ein- und Aushängen des Blockes sollte man grundsätzlich mindestens zu zweit, besser zu dritt sein


      Jetzt alle Anbauteile demontieren: Auspuff, Hauptständer, Zylinder, Luftfilter, Vergaser, Ansaugstutzen, Membranblock, Variodeckel, Riemenscheibe/Variomatik/Anlasserscheibe, Wasserpumpe, Zündung. Zur Demontage des Polrades empfehle ich euch einen Polradabzieher. Alternativ könnt ihr es auch mit einem Klauenabzieher (gibts in jedem Baumarkt für ~15€) versuchen. Selten genügen ein paar Schläge mit dem Gummihammer aufs Polrad damit es sich löst, das ist aber absolut NICHT zu empfehlen!!!
      Bei einigen Modellen ist statt der Frischluftpumpe die sogenannte Abgasrückführung (wobei es glaube ich auch eher eine Frischluftpumpe ist) verbaut. Diese muss -falls vorhanden- auch abgebaut werden.



      Ausbau der Kurbelwelle
      Auch hier kann ich euch leider keine Bilder bieten, wenn also jemand die Welle ausbaut: BITTE Fotos machen und mir zukommen lassen, :thumbsup:

      Nachdem ihr alles Notwendige demontiert habt geht es ans Spalten des Blocks.
      Schraubt dazu alle Schrauben im Block, die sich unter der Zündung befinden heraus. Klopft nun mit einem Gummihammer SANFT ( :!: ) auf einen der beiden Wellenstümpfe, bis sich zwischen den beiden Blockhälften ein Spalt bildet. Mit Hilfe eines Schlitz-Schraubendrehers könnt ihr jetzt die Hälften voneinander trennen.
      Sitzt die Welle noch in einer der beiden Hälften Fest, helft sanft mit dem Gummihammer nach.

      Wenn ihr die Welle nicht mehr benötigt, könnt ihr beim Ausbauen auch mit etwas mehr Gewalt an die Sache gehen, andernfalls ist IMMER (vor allem auch beim Einbauen) absolute Vorsicht geboten! NIEMALS mit Gewalt arbeiten, es kommt ansonsten sehr schnell zu einer Unwucht der Welle oder zu Lagerschäden :!:

      Die Lager sitzen jetzt entweder noch auf der Welle fest oder in Ihrem Lagersitzt im Block. Sie sind nicht mehr zu Verwenden und müssen in jedem Fall durch neue ersetzt werden. Wollt ihr die Lager von der Welle lösen, benötigt ihr einen Lagerabzieher. Dazu am besten in eine Auto- oder Zweiradwerkstatt fahren, die haben sowas und machens meistens für Lau oder bissl Geld in die Kaffeekasse ;)
      Wenn die Lager noch im Block sitzen, nehmt euch eine passende Nuss oder ähnliches und schlagt sie heraus. Die Simmerringe ebenso. Auch die kann man nicht mehr verwenden.



      Einbau der Kurbelwelle
      Nun kommt es zum schwierigsten Teil, dem Einbauen der Kurbelwelle. Hier ist es wichtig, dass alles gut vorbereitet ist, dass schnell gearbeitet wird und dass auf keinen Fall mit Gewalt gearbeitet werden darf!!
      Was wird benötigt:
      • Kurbelwelle
      • Neue Kurbelwellenlager + neue Simmerringe
      • Heißluftfön oder Backofen
      • Kältespray
      • Gefriertruhe
      • Topf mit heißem Öl oder Backofen
      • Ein ca 1mm starkes Rohr, welches auf den INNENring der Kurbelwellenlager passt (Ich hab mir dafür ein Möbelbein im Baumarkt gekauft und abgeflext) Wichtig: es muss länger sein als ein Kurbelwellenstumpf!
      • Eine neue Blockdichtung (bei Peugeot, in meinem Fall bei Minarelli verwende ich Dichtmasse)


      Eine kurze Erklärung zu Beginn: Die Lager sitzen ja auf dem Kurbelwellenstumpf und in den Blockhälften. Sowohl zwischen Lager und Welle, als auch zwischen Lager und Block wird mit einer Übergangspassung gearbeitet. Das heißt: die Welle ist (im Durchmesser) gleich groß oder größer als der Innenring des Lagers und das Lager ist (Durchmesser des Außenrings) gleich groß oder größer als der Lagersitz im Block. Dadurch wird ein fester Sitz der Teile mit möglichst Null radialem Spiel erreicht.
      Damit nun die "kleinen" Lager auf die "große" Welle passen und die "großen" Lager in den "kleinen" Block passen müssen wir uns die Temperatur zum Freund machen. Denn wie jeder weiß: Metall dehnt sich bei Wärme aus und Zieht sich bei Kälte zusammen.

      Es gibt nun zwei Möglichkeiten:
      1. Die Lager werden auf der Welle montiert und kommen dann gemeinsam in den Block
      2. Die Lager kommen zuerst in den Block und dann wird die Welle verbaut

      Ich habe bereits beide Möglichkeiten mehrmals probiert und bin -wider Erwarten- bei Peugeot nur mit der zweiten Möglichkeit zum Ziel gekommen. Woran das liegt weiß ich leider nicht, ich kann euch nur eines sagen: Ihr braucht bei Peugeot so einen hohen Temperaturunterschied wie möglich!!! Bei Minarelli ist das Ganze -im wahrsten Sinne des Wortes- ein bisschen lockerer.

      Da der Block aus einer Aluminiumlegierung, die Welle und die Lager jedoch aus Stahl bestehen, ist es theoretisch besser, man Arbeitet nach der ersten Möglichkeit, da sich das Alu bei Temperatur stärker ausdehnt/zusammenzieht als der Stahl. -> Die Lager bekommt ihr leichter in den Block, als auf die Welle. Geht beim Aufziehen der Lager auf die Welle aufgrund eines zu geringen Temperaturunterschiedes etwas schief, könnt ihr sie noch mittels Lagerabzieher retten und von vorne beginnen. Sind die Lager jedoch schon im Block und es geht beim Welleneinbau was schlief, bekommt ihr sie meist nicht unbeschadet aus ihrem Sitz.
      Versucht es also in jedem Fall erst mal nach Methode 1



      Methode 1

      Erster Schritt: die Lager werden auf die Kurbelwelle gebracht
      Damit alles Reibungsfrei funktioniert ist - wie gesagt - ein großer Temperaturunterschied nötig. Die Lager müssen erhitzt werden, damit sie sich ausdehnen und die Kurbelwelle muss gekühlt werden, damit sie sich zusammenzieht. Verpackt die Kurbelwelle in einer Plastiktüte und legt sie möglichst lange in die Gefriertruhe, am besten schon am Vortag. Die Gefriertruhe wenns geht aus volle Leistung aufdrehen.

      Am besten sucht ihr euch nun eine große Stahlplatte, die ihr auf eure Werkbank legt und welche zwischen die beiden Backen der Welle passt. Dadurch liegt die Welle beim Lagermontieren nur auf einer Backe auf und man beschädigt - sollte man den Gummihammer benötigen - das Pleuellager zwischen den Backen nicht.
      Ich habe leider keine passende Platte zur Hand gehabt, muss mir also wie ihr seht mit anderen Mitteln helfen.

      Bevor ihr die Welle aus der Truhe holt müsst ihr eure Lager erhitzen.
      Idealerweise macht ihr das in einem Ölbad. Altes Öl - egal welches, idealerweise 2t Öl in nem Topf erhitzen und die Lager dazu tun. Schon von Anfang an und nicht erst wenn das Öl heiß ist, damit sie sich gleichmäßig erwärmen.
      In jedem Fall irgendetwas unter die Lager legen und Sie nicht direkt auf den Topfboden aufliegen lassen, das gilt besonders für Lager im Polymerkäfig. Mit dem Einbau solcher habe ich aber leider keine Erfahrung.
      Im Backofen gehts auch. 100 Grad reichen im Normalfall, 200-250 sollten aber auch kein Problem sein ;) Ihr lasst sie ja nicht ewig drinnen liegen.

      Ab jetzt muss alles sehr schnell gehen!

      Holt die Welle und legt sie wie oben beschrieben auf die Platte, bei Bedarf nochmal mit Kältespray auf die Welle gehen. Lasst nun ein Lager auf den Wellenstumpf fallen (Kochhandschuhe oder eine Zange ftw) Im Idealfall fällt es ganz nach unten, wenn nicht nehmt euch das Rohr, setzt es am Innenring des Lagers an und klopft es SANFT nach unten. Wenn es nicht geht/es sich verkantet, zieht es ab und probiert es mit größerem Temperaturunterschied noch einmal.
      Wenn alles passt dreht die Welle um und montiert genauso auch das zweite Lager. Hier ist der Einsatz von Kältespray besonders gut, da die Welle ja nicht mehr "frisch" ausm Gefrierfach kommt.

      Sitzen die Lager bündig auf der Welle, lasst die Lager etwas abkühlen. Dann das ganze wieder in die Gefriertruhe, am besten über Nacht, damit sich nun auch die Lager zusammenziehen.

      Die Lagersitze müssen für die folgenden Schritte absolut sauber sein!

      Nun gilt es, den Block bzw die Lagersitze zu erhitzen. Ich benutze hierfür immer einen Heißluftfön. Dabei am besten von außen ein Blech o.Ä. an den Block halten, damit ihr nicht einfach durch das Loch im Block durch bläst sondern sich die Hitze schön staut :thumbup:
      Es gibt auch Leute, die legen die Blockhälften in den Ofen. Hab ich noch nie gemacht, hier muss aber UNBEDNIGT das Getriebeöl abgelassen werden.

      Beginnt mit der großen Blockhälfte. Legt sie hin (Achtung, auslaufendes Getriebeöl!), legt die Blockdichtung darauf und steckt die Zentrierbolzen rein (in meinem Fall bei Mina verwende ich statt einer Dichtung eine Dichtmasse). Nochmal mitm Fön den Lagersitz kurz anhitzen.
      Dann holt die ihr die Kurbelwelle samt Lager aus der Gefriertruhe und lasst sie in den Sitz im Block gleiten. Auch hier keine Gewalt! [Info for dummies: Achtet auf Vario und Lichtmaschinenseite der Kurbelwelle]
      Außenring des Lagers wenns geht davor nochmal mit Kältespray malträtieren :D
      Es lohn sich, wenn ihr zu zweit seid und ein Freund schon mal die zweite Blockhälfte wie oben beschrieben heiß macht. Andernfalls ist es von Vorteil, wenn man zumindest die zweite, kleine Blockhälfte in den Ofen tut. Dann spart man sich die zweite Person und vor allem kostbare Zeit.
      Das zweite Lager dann nochmal sauber mit Kältespray behandeln und die Blockhälfte darauf stecken.

      Fast fertig!

      Jetzt noch die beiden Blockhälften miteinander Verschrauben. Die Schrauben dazu immer über Kreuz und in ganz kleinen Drehmoment-Schritten festziehen!!!
      Wenn Welle, Lager und Block wieder einigermaßen Raumtemperatur haben, versucht sie zu drehen. Sollte es klemmen oder so, ist das kein Problem. Gebt der Kurbelwelle mit nem Gummihammer einfach ein paar sanfte Schläge ;)



      Methode 2

      In Methode 2 zeig ich euch, wie ihr die Lager in den Block bekommt und anschließend die Welle verbaut.
      Als erstes müssen die Lager (am besten noch in ihrer Folien-Verpackung) gefroren werden. Legt sie dazu über Nacht in die Gefriertruhe bei maximaler Kühlleistung.
      Die Kurbelwelle auch in eine Plastiktüte tun und auch einfrieren.

      Die Lagersitze im Block müssen jetzt absolut sauber gemacht werden. Dann gehts ans erhitzen.

      Ich benutze hierfür immer einen Heißluftfön. Dabei am besten von außen ein Blech o.Ä. an den Block halten, damit ihr nicht einfach durch das Loch im Block durch bläst sondern sich die Hitze schön staut :thumbup:
      Es gibt auch Leute, die legen die Blockhälften in den Ofen. Hab ich noch nie gemacht, hier muss aber UNBEDNIGT das Getriebeöl abgelassen werden.

      Legt eine Blockhälfte hin (Achtung, auslaufendes Getriebeöl!) und holt ein Lager aus der Gefriertruhe und lasst es in den Sitz im Block gleiten. Sollte es nicht direkt reinfallen, nehmt euch eine große Nuss, die NUR auf dem äußeren Lagerring aufliegt und klopf das Lager rein.

      Das Selbe Macht ihr mit der zweiten Hälfte.

      Lasst das Ganze dann mal auf Zimmertemperatur kommen.

      Legt euch nun die große Blochkälfte zurecht (Achtung, auslaufendes Getriebeöl!) und macht das darin befindliche Lager mitm Heißluftfön heiß (alternativ geht auch wieder der Ofen). Dann die Blockdichtung (oder bei Mina Dichtmasse) und die Zentrierbolzen drauf.
      Das Lager nochmal anheizen, die Welle ausm Gefrierfach holen (evtl noch Kältespray drauf) und dann die Welle in das Lager gleiten lassen. [info for dummies: auf Vario/Limaseite achten]
      Hier darf auf keinen Fall mit Schlägen gearbeitet werden!

      Es ist zu empfehlen, dass in der Zwischenzeit schon mal ein Freund das Lager in der kleinen, zweiten Blockhälfte erhitzt (oder ihr das ganze schon im Ofen liegen habt).

      Nehmt dann die zweite Hälfte und steckt sie auf die die Kurbelwelle. Am besten die Welle nochmal mit Kältespray ansprühen. Auch hier gilt: keine Gewalt!

      Wenn ihr dann noch einen kleinen Spalt zwischen den Hälften habt, ist das nicht Schlimm, die Hälften ziehen sich dann beim Zusammenschrauben zusammen;)

      Jetzt noch die beiden Blockhälften miteinander Verschrauben. Die Schrauben dazu immer über Kreuz und in ganz kleinen Drehmoment-Schritten festziehen!!!
      Wenn Welle, Lager und Block wieder einigermaßen Raumtemperatur haben, versucht sie zu drehen. Sollte es klemmmen oder so, ist das kein Problem. Gebt der Kurbelwelle mit nem Gummihammer einfach ein paar sanfte Schläge ;)



      Zusammenbau

      Zuerst müsst ihr die Simmerringe montieren. Bei Peugeot sind beide gleich groß, bei Mina unterschiedlich.
      Diese werden einfach von außen über die Kurbelwelle in ihren Sitz geschoben. Achtet darauf, dass alles im Sitz sauber ist! Sie müssen zudem gerade drinnen sein, zur Hilfe könnt ihr das Rohr, welches ihr für Methode 1 verwendet habt benutzen;)
      Achtung: ihr dürft sie nicht bis auf Anschlag reindrücken! Ich bin mir nicht 100%ig sicher, aber ich glaube bei einigen Blöcken ist eine Kerbe die euch zeigt, wie weit der Simmerring reingesteckt werden muss.

      Jetzt montiert ihr alle anderen Anbauteile wie Zylinder, Zündung, Intake etc. wieder und hängt den Block ein. Alles anschließen - FERTIG

      Dass der Motor nicht auf Anhieb anspringt ist normal. Wenn er läuft, checkt kurz, ob alles problemlos läuft und macht bei wenig Gas eine kleine Probefahrt.

      Einfahren muss man eine neue Welle und neue Lager nicht.



      Das wars, wenn ihr Fehler findet oder Fragen habt - meldet euch bei mir ;)


      antown

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